Diverse Diversitäten

Diverses von Bernd Adamowicz

Die Eberspächer D3LP im James Cook – Eine Instandsetzungsgeschichte, Teil 1


Im November 2014 kaufte ich mir einen James Cook, Baujahr 2001, also zu diesem Zeitpunkt ein Fahrzeug, das bereits 13 Jahre alt war. Aber als alter Campingfreund war der James Cook schon

James Cook

Der James Cook. Hersteller: Westfalia. Basisfahrzeug: MB Sprinter 316 CDI

immer meine heimliche Liebe, es hat nur bis jetzt eben nicht geklappt oder es hat auch nicht sollen sein. Wie auch immer, meine nun nicht mehr heimliche Liebe steht jetzt also bei mir vor dem Haus – genauer gesagt, in der Scheune direkt am Haus; natürlich nur, wenn ich nicht mit ihr auf Achse bin und das ist annähernd täglich der Fall – beruflich wie privat.

Wie es sich für einen ordentlichen JC gehört, hat eben dieser auch eine Diesel betriebene Standheizung von Eberspächer, Typ D3LP.  Diese hat auch ganz wacker etwa zwei Monate lang – mit wenigen Pausen – fast täglich ihren Dienst klaglos verrichtet. Was jedoch immer schon störend war, war das sehr laute Klacken der Treibstoffpumpe; wirklich sehr unangenehm für die Nachtruhe. Wie dem auch sei, irgendwann meinte die D3LP Zicken machen zu müssen: Startschwierigkeiten, Fehlermeldung F32 im Bordcomputer, was auf ein Glühkerzenproblem hindeutet, und das Ganze ging so lange, bis sie sich nach einem Tankstopp, zu dem ich die Heizung abschalten musste, komplett aus der Menge der funktionierenden technischen Geräte abgemeldet hat. Kein Mucks mehr, kein Nichts, nur das F32 in der Anzeige, das aber rein gar nicht zur Beheizung des Innenraumes beigetragen hat – bis jetzt. Sinnvollerweise war es auch gerade Februar, was ja zu hochnotpeinlichen Temperatursituationen führen kann, die temporär nur durch einen elektrischen 230V-Heizlüfter gelöst werden konnten. Letzterer setzt aber das Vorhandensein eines 230V-Anschlusses voraus, den man ja auch nicht gerade in der Tasche mit sich herum trägt. Es war also ein Lösung gefragt.

Dieser kleinen Vorgeschichte folgte dann eine kleine Odyssee von Mercedes-Benz-Werkstätten, da ich bis dahin noch in der naiven Vorstellung verharrte, dass so etwas von Fachleuten doch leicht zu reparieren sein müsste. In die Details will ich mich an dieser Stelle nicht ergehen, aber nach eben dieser Odyssee hatte ich zumindest von Mercedes-Benz die klare Aussage: „Ihre Heizung macht keinen Mucks mehr!“ Toll! Das hatte ich vorher ja gar nicht gewusst! Gut, dass ich in der Werkstatt war! Ich war erleichtert…

Zur Ehrenrettung von Mercedes-Benz sei jedoch gesagt (Muss ich machen – bin Schwabe!), dass, wie ich mittlerweile weiß, das Thema Standheizung ein sehr spezielles und heikles ist. Die D3LP wird offensichtlich schon lange nicht mehr produziert; bei Nachfolge- oder ähnlichen Modellen scheint dann das Problem zu bestehen, dass diese nicht unbedingt mit dem Bordcomputer zusammen arbeiten, was dann ein separates Bediengerät zur Folge hätte (wollte ich nicht), Werkstätten, die das Ding reparieren könnten, sind dünn gesäht, auch Bosch scheint an dieser Stelle nicht immer weiter helfen zu können, auf der Homepage von Eberspächer wird man auch nicht unbedingt fündig, was die Unterstützung von Privatkunden betrifft; von Westfalia, dem Hersteller, gibt´s gar keine Unterstützung und Ersatzteile mehr; kurz: alles sehr schwierig.

Woher ich das alles weiß? Man melde sich im Forum der James-Cook-Freunde an und frage die sich dort tummelnden Besitzer andere James Cooks – da werden sie geholfen! Der ironische Unterton ist nicht so gemeint, dieses Forum hat mir wirklich sehr geholfen und mich letztendlich zu dem Entschluss gebracht: Repariere das kaputte Ding selber! Und genau davon soll diese kleine Artikelserie handeln.

Ich hoffe also, dass die folgenden Zeilen, Bilder und die weiteren Artikel auch Anderen mit ähnlichen Problemen oder dem gleichen Problem helfen werden. Ich werde versuchen, eine strukturierte Suppe als Menü zu präsentieren, deren Zutaten hauptsächlich Bilder und Beschreibungen der Instandsetzung der Heizung sind, gewürzt werden soll das Ganze mit Zusatzinformationen zu Ersatzteilen und gewonnenen Erfahrungen. Und bevor es jetzt dann wirklich los geht, einen herzlichen Dank an das Forum! Ohne die Hilfe von dort wäre ich dieses Projekt vermutlich nicht angegangen. So, aber jetzt – jetzt geht´s los:

Die Ablation der Heizung aus dem Körper des James Cook

Man werfe sich mit gekonntem Schwung unter die Fahrerseite des Autos und bewaffne sich vorher mit allerlei Werkzeug. Es hilft auch sehr, das Auto vorher vorne links mit dem Wagenheber anzuheben oder mit der Vorderachse auf zwei Rampen zu fahren oder – so man sie denn hat – gleich eine Überfahrgrube zu nutzen. Wie immer man es macht, es sollte sicher sein! 3,5t Gewicht auf dem Brustkorb würden dann wohl auch eine Reparatur der Heizung obsolet machen – man braucht dann nämlich keine mehr…

Die Heizung ist nun gut untergebracht in einem stabilen Blechkasten. Ohne diesen Blechkasten komplett zu entfernen, kann man an der Heizung fast nichts machen. Lediglich das Abgasrohr und der Schlauch für die Ansaugluft für den Brenner ließen sich entfernen, was aber nichts zur Wiedergenesung der Heizung beitragen würde. Also komplett raus mit dem Ding.

Diesen ersten Akt des Stücks habe ich leider nicht selbst fotografisch dokumentiert, hatte aber vom Vorbesitzer noch eine gedruckte Reparaturanleitung für den James Cook bekommen, die am Ende des Artikels herunter geladen und nach der vorgegangen werden kann. Ist die Ablation vollbracht, sieht der erwähnte Kasten nun aus wie im folgenden Bild zu sehen.

Heizung ausgebaut

Ausgebauter Kasten der Heizung. Die Glühkerze (Loch) ist bereits heraus geschraubt.

Zum Kasten selbst ist zu sagen, dass dieser problemlos durch Entfernen der Schrauben in seine Bestand- und Einzelteile zerlegt werden kann ohne Gefahr zu laufen, dass man die zugehörigen Muttern verliert. Diese sind nämlich mit dem Kastengehäuse fest verbunden. Ob dies nun durch Löten, Schweißen, Kleben oder mit Spucke bewerkstelligt wurde entzieht sich meiner Kenntnis – sie halten einfach. Gleichwohl bietet es sich an, die entfernten Schrauben in einem speziellen Gefäß zwecks späterer Wiederverwendung aufzubewahren. Dies gilt nicht nur für die Kastenschrauben, sondern generell für alle Kleinteile, die in der weiteren Folge der Operation noch entfernt werden.

Im Bild ist nun das Abdeckblech, welches den Zugang zur Glühkerze ermöglicht, bereits abgeschraubt und die Glühkerze selbst ist auch bereits entfernt. Das zweiadrige weiße Kabel stellt die Stromversorgung für die Glühkerze dar. Zu erahnen ist im Einschraubloch für die Glühkerze der schwarze Schmodder, der vermutlich auch zum Totalausfall der Heizung geführt hat. Dazu später noch mehr.

Das liebe Glühkerzchen selbst hat auch nicht mehr den besten Eindruck gemacht. Ich wusste nicht wie und hatte auch keine Möglichkeit zu prüfen, ob die Kerze noch leuchtet, wenn sie denn in ihrem Loch steckt; da ich aber sowieso beschlossen hatte, alles zu überholen und die Verschleißteile zu ersetzen, spielte das keine Rolle mehr.

Und da war auch das Stichwort: Verschleißteile. Durch einen guten Tipp aus dem Forum bin ich auf die Firma WARMPOL verwiesen worden, bei denen ich alle notwendigen Ersatzteile bestellt habe. Ich war zunächst etwas irritiert, da es für die D3LP überhaupt keine Teile gab. Aber nach Nachfrage bei WARMPOL wurde mir mitgeteilt, das diese baugleich sei mit der D3LC und ich genau diese Teile dann bestellen könne, was ich auch prompt gemacht habe. Hier die Liste der Teile, die benötigt werden:

  1. Dichtung D3LC /D3LCC, Artikelnummer: Z0/22/08, Katalognummer: statt 251822010003
  2. Dichtscheibe D3LC /D3LCC, Artikelnummer: Z0/22/04, Katalognummer: statt 251822060002
  3. Dichtring D3LC/D3LCC, Artikelnummer: Z0/22/30, Katalognummer: statt 251822060003
  4. Glühkerze 12 V, Katalognummer: 251830010100
  5. Kerzenstutzen D3LC / D3LCC, Katalognummer: Vergleichsnummer 251822060400

Die Kosten für diese Teile beliefen sich (im März 2015) auf € 49,22 inklusive Versandkosten. Scheint mir erst mal angemessen und in Ordnung. Als Informatiker habe ich zwar nichts Gescheites gelernt, aber irgendwo habe ich doch schon mal gehört, dass wenn man eine wie auch immer geartete Maschine zerlegt, diese vor dem Zusammenbau mit neuen Dichtungen zu versehen ist. Die Alten sind halt alt und dichten unter Umständen nicht mehr richtig, wenn man sie wieder verbaut – die Dichtung ist dann halt nicht mehr ganz dicht – ganz menschlich also. Jedem Nachahmer dieser Bastelanleitung sei daher wirklich geraten, mindestens die Dichtungen zu ersetzen – was immer da sonst noch kaputt sein möge.

Glüh´, Kerze, glüh´

Glühkerze

Das (vermutlich) verglühte Kerzchen.

Ob das nun der tatsächliche Übeltäter, sprich, der Auslöser des Heizungsausfalles war, konnte ich nicht feststellen – wie bereits oben erwähnt. Aber etwas ramponiert und derrangiert schaut sie schon aus. Um die Glühkerze herum schmiegt sich im eingebauten Zustand auch noch die Auskleidung für den Kerzenstutzten – ein feines Drahtgeflecht in zylinderform. Diese Auskleidung war so verbacken mit dem Gehäuse des Brenners der Heizung, dass sie nicht mehr zerstörungsfrei zu entfernen war. Das Resultat der Entfernung zeigt das folgende Bild:

Auskleidung Glühkerzenstutzen

Auskleidung des Glühkerzenstutzens. Seine beste Zeit hatte er wohl schon hinter sich.

Mit einer kleinen Zange und einem feinen Schraubenzieher war das Ding nur mit sanfter Gewalt aus seiner angestammten Position zu entfernen und hat sich dabei auch noch in seine Einzelteile aufgelöst. Zum Vergleich das neu bestellte neue Neuteil:

Auskleidung des Glühkerzenstutzens im Neuzustand.

So sieht die Auskleidung des Stutzens neu aus.

Kolophon

Das war nun erst mal die Vorgeschichte und der Ausbau der Heizung. Im nächsten Artikel zu diesem Thema geht es dann um das Zerlegen und die Reinigung. Nachfragen und Kommentare können gerne hier hinterlassen werden. Freue mich auf Rückmeldungen!

Alle in diesem Artikel aufgeführten Links zu Dokumenten oder Seiten fasse ich hier nun nochmal kurz zusammen:

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24.04.2015 - Posted by | James Cook | , ,

2 Kommentare »

  1. […] es noch genau. Sondern James Cook ist das gleichnamige Wohnmobil. Ein Bildchen von ihm gibt’s hier. Die Verantwortungsbereiche zwischen James und mir sind dabei klar geregelt: James trägt alle […]

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    Pingback von Einmal Polarkreis und zurück « Diverse Diversitäten | 25.05.2016 | Antwort


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