Diverse Diversitäten

Diverses von Bernd Adamowicz

Die Eberspächer D3LP im James Cook – Eine Instandsetzungsgeschichte, Teil 4


Dies ist nun der vierte Teil meiner Artikelserie über die Instandsetzung der D3LP von Eberspächer. Eigentlich hätte nach Teil Drei schon Schluss sein sollen. Aber was sich nach erfolgreicher Instandsetzung noch alles abgespielt hat, bis die Heizung tatsächlich wieder hundertprozentig funktionierte, ist teilweise haarsträubend und soll daher hier noch kurz beweint werden. Falls noch nicht getan, kann die Vorgeschichte hier nachgelesen werden:

In diesem Artikel werde ich auch meine Erlebnisse mit zwei Firmen schildern. Da gibt es eine Firma „X“, die sich auf die Überholung von Standheizungen spezialisiert hat und eine Firma „Y“, die sich als Bosch-Dienst präsentiert. Klarnamen und Orte werde ich aus verschiedenen Gründen nicht nennen.

Wie im dritten Teil bereits erwähnt, war ein erster Testlauf der Heizung eigentlich erfolgreich. „Eigentlich“ heißt, die Mechanik war absolut in Ordnung; sprich: Brenner, Motor und Gebläse haben einwandfrei funktioniert. Um die Heizung jedoch zum Laufen zu bringen, musste das Steuergerät zunächst entsperrt werden, da es immer noch einen Fehler gespeichert hatte. Ein entsprechender Artikel in der VW-Bus-Welt hat erst mal geholfen. Dies war jedoch, zumindest bei meinem Steuergerät, kein dauerhafter Erfolg. Nach dem Ausschalten und Wiedereinschalten war der Fehler immer wieder da. Also dachte ich, es wäre eine gute Idee, nun die Firma X hinzu zu ziehen.

Das Drama mit Firma X

  • Steuergerät eingeschickt zwecks Instandsetzung
  • Instand gesetztes Steuergerät wieder erhalten, anschließend
    • Steuergerät eingebaut,
    • Heizung eingeschaltet. Und dann:
    • selber Fehlercode im Bordcomputer wie vor der „Instandsetzung“; Heizung läuft nicht
  • Nach Absprachen mit Firma X deren Angebot angenommen, die ganze Heizung einzuschicken. Das Resultat war:
  • Heizung beschädigt zurück bekommen:
    • Halterungen am Gehäuse stark verbogen,
    • Dieselleitung falsch verlegt,
    • alle Schrauben am Gehäuse locker.
    • Sprich: Pfusch!
  • Ach so: Der Fehler war natürlich immer noch da!
  • Die Reklamation bei Firma X ergab natürlich keinen Erfolg: „Bei uns lief die Heizung einwandfrei. Die Beschädigungen müssen beim Transport passiert sein. Bla bla.“
  • Dann erst mal die Heizung den Sommer über liegen lassen. Frust!

Die Erlebnisse mit Firma Y

Nach einem Anruf bei der Technischen Hotline von Eberspächer wurde mir die Firma Y als autorisierter Händler genannt, der meine Heizung fachmännisch überprüfen könne. Erste Hoffnung am Horizont also. Es ging weiter wie folgt:

  • Anruf bei Firma Y zwecks Terminvereinbarung. Hinweis der Dame am Telefon: „Bitte die Heizung eingebaut mitbringen. Sonst können wir nicht prüfen.“
  • Heizung eingebaut, zu Y gefahren.
  • Gespräch mit dem freundlichen Techniker vor Ort. Freie Wiedergabe:
    • T: „Kommt man an die Heizung oder das Steuergerät ran?“
    • Ich: „Nein, nicht wenn sie, wie jetzt, eingebaut ist.“
    • T: „Na ja, ich könnte sowieso nichts prüfen.“
    • Ich: „Sie haben kein Prüfgerät für die Heizung?“
    • T: „Nein. Ich könnte höchstens die und die Kabel auf Durchgang oder Kurzschluss prüfen. Mehr nicht.“

Toller Fachbetrieb dachte ich und fuhr Heim. Nach erneuter Rücksprache mit Eberspächer war offensichtlich nun die einzige Lösung, die Heizung an Eberspächer zu schicken. Diese akzeptieren aber keine Lieferungen von Privatpersonen, sondern nur von Fachbetrieben. Also war Firma Y wieder im Spiel: Die Heizung wieder mal ausgebaut, zur Firma Y gefahren und darum gebeten, die Heizung an Eberspächer zu senden. Nach einer guten Woche erhalte ich einen Anruf des Chefs der Firma Y, dessen Wortlaut ich ungefähr wiedergebe:

  • Chef: „Das Steuergerät ihrer Heizung ist kaputt und muss getauscht werden.“
  • Ich: „Aha, das ist jetzt die Info von Eberspächer?“
  • Chef: „Nein, wir haben selbst geprüft.“
  • Ich (verwirrt): „Ich dachte sie können nicht prüfen weil sie kein Prüfgerät haben?“
  • Chef: „Doch, wir haben ein Prüfgerät. Ihr Steuergerät ist definitiv kaputt.“

Immer noch verwirrt, aber in der Hoffnung, nun doch einen Schritt weiter zu kommen, habe ich mit dem Chef von Y vereinbart, ein neues Steuergerät zu besorgen, einzubauen und die Heizung zu testen. Nach einer weiteren Woche dann die Nachricht, die Heizung könne abgeholt werden. Also, frisch ans Werk und am nächsten Samstag zu Y gefahren, fast 500€ (380€ Steuergerät + Arbeitskosten + Steuer) für die Rechnung beglichen und mit der Heizung unter dem Arm das Geschäft verlassen.

Zur Auflösung des Geheimnisses um das Prüfgerät, das erst nicht und dann doch vorhanden war, sei nun Folgendes zur Aufklärung beigetragen, wie mir der Chef der Firma Y erläuterte: Das Steuergerät existiert, aber von den Mitarbeitern der Firma Y weiß niemand, dass es existiert. Toll! Lediglich ein sich bereits im Ruhestand befindlicher ehemaliger Mitarbeiter kennt den geheimen Ort des Gerätes und auch nur dieser Mitarbeiter kann dieses überhaupt bedienen. Und an eben dieses Firmengeheimnis hat sich der Chef von Y just in dem Moment erinnert, als meine Heizung zu Eberspächer geschickt werden sollte.

Als gebranntes Kind habe ich die Heizung nun aber direkt vor Ort auf dem Hof von Y angeschlossen und einen Probelauf durchgeführt. Dieser verlief absolut erfolgreich. Insofern baute ich die Heizung frohgemut dann komplett wieder in den James Cook ein und ging den Rest des Tages meiner Dinge.

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Probelauf der Heizung auf dem Hof der Firma Y. Zu sehen ist auch das neue Steuergerät.

Der eigene Lapsus

Mit dem oben geschilderten „finalen“ Einbau dachte ich eigentlich, dass das Drama nun ein Ende hat. Weit gefehlt!

Erst einige Wochen später haben sich die ersten kühleren Nächte in Deutschland breit gemacht. Mit voller Begeisterung habe ich dann natürlich sofort die Heizung aktiviert. Im James Cook läuft dies über den Zentralcomputer; diesen habe ich angewiesen, im Innenraum ein Sahara-ähnliches Raumklima zu schaffen. Hat sich auch erst mal gut angehört und -gefühlt: Heizung lief an, warme Luft strömte aus allen drei Austrittsöffnungen. Spitze!

Nach einigen Minuten aber etwas Verwunderung: Richtig warm wurde es nicht. Die Heizung wurde wieder verdächtig leise: unterste Gebläsestufe, kleinste Flamme, laue Wärme. Auch wiederholte Anweisungen an den Zentralcomputer, nun doch endlich mal die 20°-Marke oder noch höhere Werte anzustreben, wurden von der Heizung beharrlich ignoriert. Wieder mal war ich maßlos begeistert…

Ich bat erneut um Audienz bei Firma Y und bat auch darum, dass der sich um Ruhestand befindliche Mitarbeiter sich meiner Heizung bitte annehmen möge. Es tat sich nun erst mal mehrere Wochen gar nichts, bis ich selbst den Chef von Y nochmal kontaktierte und mit einigen konkreten Terminvorschlägen konfrontierte. Und siehe da, ein Termin war tatsächlich schnell gefunden, zu dem der Pensionär auch anwesend sein würde.

Am Tag der Wahrheit stand ich also wieder einmal mit ausgebauter, aber an das Fahrzeug angeschlossener, Heizung auf dem Firmengelände Y. Der wirklich sehr freundliche Pensionär nahm meine Heizung in Augenschein und hat als erstes das neue Steuergerät einer erneuten Überprüfung unterzogen. Und jetzt wurde es interessant: Ich durfte den Heiligen Gral von Eberspächer sehen: das Prüfgerät!

Wie sieht nun ein solches Prüfgerät aus? Es handelt sich um ein Stück Hardware, ein Gerät von der Größe einer Zigarrenkiste, das dem Anschluss des Steuergerätes dient. Diese Zigarrenkiste wiederum hängt an einen Uralt-Compaq-PC mit MS-DOS(!) als Betriebssystem. Als Informatiker wurden nostalgische Gefühle in mir geweckt! Die Bedienung des Prüfgerätes über den PC gestaltete sich nun aber wirklich alles andere als schwierig. Weshalb das so ein Geheimnis sein soll, kann ich nicht nachvollziehen. Mit wenigen Tastaturanschlägen war das Steuergerät ausgelesen und es war weiterhin festgestellt, dass es keinerlei Fehler in der Heizung oder im Steuergerät gab oder gibt. Weshalb dieses Wissen nicht einfach an einen anderen Mitarbeiter weitergegeben werden kann und statt dessen ein Pensionär aus seinem wohlverdienten Ruhestand geholt werden muss, kann ich nicht nachvollziehen!

Nun findet sich in der Überschrift dieses Abschnittes das Wort „Lapsus“. Zur Aufklärung des Lapsus sei zunächst das folgende Bild gezeigt:

small_fuehlerkabel

Rotes Rechteck: falsch angeschlossenes Kabel. Grünes Rechteck: Das wäre der richtige Anschluss gewesen.

Es gibt zwei Temperaturfühler: Einen direkt in der Heizung selbst und einen – sinnvollerweise – im Innenraum des Fahrzeugs, das von der Heizung eben beheizt werden soll. Beide lassen sich anschließen, beide haben den selben Stecker! Schließt man nun den internen Fühler der Heizung selbst an, passiert Folgendes: Nach einigen Minuten meldet der Fühler „warm genug“ und die Heizung regelt runter. Der eigentlich wichtige Temperaturfühler im Innenraum kann melden was er will, die Heizung bekommt das nicht mit, da er eben nicht angeschlossen ist.

So einfach ist das. Und genau das habe ich wohl fabriziert, als ich das letzte Mal die Heizung eingebaut habe. Wohl im dem Wahn, ich könne das mittlerweile blind, habe ich eben den internen Fühler der Heizung angeschlossen und nicht den Innenraumfühler. Im Bild zu sehen im grünen Rechteck ist der Steckanschluss, der in den Kabelstrang in den Innenraum führt. Das wäre mein Preis gewesen. Das hätte mir eine erneute Fahrt zu Y und einen erneuten Ein- und Ausbau erspart.

Fazit

Ziemlich genau 10 Monate hat es nun gedauert seit dem Ausfall der Heizung bis sie wieder ging. Das eigentliche Überholen der Heizung kann ich jedem empfehlen, der das gleiche oder ein ähnliches Modell hat. Das Drama, das sich danach abgespielt hat, war wohl kaum voraus zu sehen. Einen Vorteil hat es jedoch: Ich weiß jetzt fast alles über diese Sch…-Heizung und lebe nun in der Hoffnung, die nächsten 10 Jahre nicht mehr unter meinem James Cook zu liegen zu müssen und das Ding im Akkord ein- und auszubauen.

Ja, die Hoffnung. Das war ja das Ding, das wohl zuletzt stirbt. Mal sehen…

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26.12.2015 - Posted by | James Cook | , , ,

2 Kommentare »

  1. Hallo,
    Dein Reparatur Artikel hat mir sehr gut gefallen. Wir haben auch einen James Cook von 1996 und ich werde mich früher oder später an die gleiche Arbeit machen müssen. Im Moment läuft die Heizung noch gut, nur das ticken der Diesel Pumpe nervt mich. War das bei deiner auch so bzw. Hat die Überholung etwas daran geändert?
    Gruß, Fedor

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    Kommentar von Fedor | 15.05.2016 | Antwort

    • Am Ticken der Pumpe kommt man kaum vorbei. Wobei die Pumpe selbst ganz leise ist. Sie ist aber direkt an der Heizung befestigt und nutzt somit die Luftschläuche, Teile der Karosserie und der Innenverkleidung als Resonanzkörper, wodurch das eigentlich leise Ticken zum nervigen Gepolter wird. Eine Überholung der Heizung selbst nutzt also auch nichts.
      Ich habe schon überlegt, ob man die Pumpe frei schwingend, z.B. an Spiralfedern, aufhängen könnte, so dass man ihr den Resonanzkörper entzieht. Werde ich bei Gelegenheit vielleicht mal angehen.

      Gefällt mir

      Kommentar von Bernd Adamowicz | 16.05.2016 | Antwort


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