Diverse Diversitäten

Diverses von Bernd Adamowicz

Was kostet der Polarkreis?


Wer an anderer Stelle in diesem Blog meine Reise an den Polarkreis gelesen hat, hat sich vielleicht auch gefragt (so wie ich), was das denn alles so kostet und welche Posten im Rahmen einer solchen Reise anfallen. Die gleichen Fragen habe ich mir vorher auch gestellt, konnte sie aber, als fleißiger Belegesammler, erst hinterher detailliert beantworten. Als finanzielle Nachbetrachtung und als Planungshilfe für die Zukunft sind die nun folgenden Abschnitte gedacht.

Vom Saufen

Fangen wir mal mit den Kraftstoffkosten an. Wenn man mit dem Wohnmobil unterwegs ist, ist das ein relevanter Posten. Der James mit seinem 316 CDI von Mercedes hat im Laufe der Reise unterschiedliche Trinkgewohnheiten an den Tag gelegt. Die gesamte Fahrleistung betrug 5893km. Davon wurden 2262km in Norwegen zurück gelegt. Der Gesamtdieselverbrauch hat sich auf 685l zusammengeläppert. Der Durchschnittsverbrauch für die gesamte Strecke betrug 11,75l/100km, bei einem Maximalverbrauch von 13,5l/100km und einem minimalen von 8,66l/100km. Letzterer ist – wie man sich wohl denken kann – in Norwegen zustande gekommen, wo eben, außer in der Nähe von Großstädten, wo es mehrspurig ausgebaute Autobahnen gibt, nur gemütliches Dahingleiten mit maximal 80km/h angesagt ist. Der Durchschnittsverbrauch allein in Norwegen betrug übrigens 10,67l/100km.

Der Sprit will ja nun auch bezahlt sein. Meine Reise habe ich zum Glück in einer Phase sehr niedriger Kraftstoffpreise durchgeführt, was den Geldbeutel natürlich entsprechend geschont hat. Insgesamt habe ich für die 685l Diesel 849,20€ bezahlt, was dann einen durchschnittlichen Literpreis von 1,24€ ergibt. Das ist der Durchschnitt über alle befahrenen Länder, also Deutschland, Norwegen und Schweden. Dänemark habe ich auch befahren, aber keinen Sprit, sondern nur eine durch Steinschlag zerstörte Windschutzscheibe mitgenommen.

Nicht nur das Auto hat Durst – nein! – auch der Fahrer hat spätestens am Ende jeder Tagesetappe ein trockenes Gefühl in der Kehle, das es zu befriedigen gilt. Hier muss nun jeder selbst entscheiden, wie dieses Gefühl, das ja schlimmer ist als Heimweh, befriedigt wird. Wer gerne eine Bierchen am Abend trinkt, kann zum Beispiel in den Campingplatzkiosk oder eine der herumliegenden Gaststätten gehen oder sich gar in einem der Monopolläden für Alkohol mit eben diesem versorgen. Für diese Vorgehensweise ist jedoch eine rapide Aufstockung der Urlaubskasse angesagt! Der halbe Liter Bier schlägt mit acht bis neun Euro in den Geldbeutel ein wie eine Granate! Das eine oder andere Mal kann man sich das schon gönnen; letztendlich empfiehlt sich aber dann doch die Mitnahme heimischer Getränke – da weiß man was man hat. Und man gönnt sich ja sonst nichts! Und, obwohl im Hauptartikel bereits getan, will ich hier nochmal visuell und textuell eine typische bierseelige Abendstimmung wiedergeben:

Über allen Gipfeln ist Ruh‘.
Bier trinkst du.
Die Hax’n ganz nass.
Norwegischer Spaß!

(Entschuldigen Sie, verehrter Herr Geheimrat!)

Der Sepp und die Sau (siehe Hauptartikel) waren die Sparsamsten auf dieser Reise. Kein Durst. Kein Hunger. Kein Gemecker. Kein Nichts. Die dürfen das nächste Mal wieder mit!

Vom Übernachten

Ich bin generell ein Freund von Campingplätzen, obwohl in Norwegen prinzipiell überall in der Natur übernachtet werden darf, solange man sich fern von landwirtschaftlichen Flächen und/oder Privatgrundstücken hält. Und bei dieser Reise habe ich auch, bis auf wenige Ausnahmen, jede Tagesetappe mit einem Einkehrschwung in einen Campingplatz beendet. Bevor ich jedoch zu den eigentlichen Kosten komme, will ich kurz mal eine Nebenbetrachtung zu norwegischen Campingplätzen loswerden.

Was man sich definitiv sparen kann für eine Norwegen-Reise ist die Anschaffung eines Campingführers! Egal, ob gedruckt oder digital, man braucht solcherlei Informationswerk nicht, da einen die Campingplätze praktisch anspringen ob ihrer Anzahl entlang der Straßen. Ich schreibe hier von norwegischen Gefilden südlich des 67. Breitengrades; weiter nördlich mag es anders sein – das weiß ich (noch) nicht. Die etwa 14€ für meinen ansonsten für das restliche Europa sehr guten Campingführer hätte ich, was Norwegen betrifft, genauso gut in fast 2 Halbe Øl hier in Norwegen investieren können.

Zur Ehrenrettung des hier gar nicht namentlich genannten Campingführers sei aber auch erwähnt, dass die Auflistung aller in Norwegen vorhandener Campingplätze wohl zusätzliche 1000 Seiten zu den sowieso schon vorhandenen 900 Seiten des Standardwerkes bedurft hätte. Und um es nun endlich auf den Punkt zu bringen: Wer in Norwegen – zumindest zwischen dem norwegischen Südzipfel und dem Polarkreis – einen Campingplatz sucht, der setze sich ins Auto, begebe sich auf die Straße und warte bis nach wenigen Kilometern einer vorbei kommt. Kommt er nicht links, dann kommt er rechts!

Jetzt aber zu den Kosten: Insgesamt haben wir auf 13 Campingplätzen übernachtet, davon acht in Norwegen, zwei jeweils in Schweden und Deutschland und einen in Dänemark. Gekostet hat das in Summe 294,20€. Das ergibt einen Durchschnittspreis pro Übernachtung über alle Länder von 22,63€. Allein in Norwegen betrug der Schnitt 24,22€, also etwas höher, aber sicher nicht signifikant. Denke, mit diesen Durchschnittswerten kann man recht verlässlich für künftige Reisen eine vorausschauende Hochrechnung durchführen.

Vielleicht werde ich bei meiner nächsten Norwegen-Reise mal versuchen, einen Campingplatz nur dann anzusteuern, wenn der James ver- und entsorgt werden muss. Ist der James nur mit einer Person besetzt, hält er bzgl. Frischwasser, Abwasser und WC drei bis vier Tage durch. Mal sehen. Schau mer mol, dann seh mer scho. Ach so: Summiert haben sich alle Campingplätze auf 294,20€.

Vom Schiffen

Auch bereits im Hauptartikel erwähnt ist die Tatsache, dass die Norweger ihre Straßen teilweise recht unpraktisch angelegt haben. Nämlich so, dass sie eigentlich permanent vom Wasser überspült sind, was das Fortkommen ohne amphibisches Vehikel sehr erschwert oder gar unmöglich macht. Komisch, ich hätte das anders gemacht mit den Straßen. Wie dem auch sei, als findiges Volk und vielleicht auch als Seefahrernation haben die Norweger ihre überspülten Straßen einfach durch den Einsatz von Schiffchen ersetzt. Diese Schiffchen nennen sich Fähren und die kosten Geld. Und je mehr Auto man auf einer Fähre unterbringen will, umso mehr Geld kostet das dann. Und diese Kosten will ich kurz aufführen.

Bug einer Fähre

Um überhaupt erst mal nach Norwegen zu kommen, kann man zum Beispiel über die neuen Bundesländer nach Polen und dann über die Baltischen Staaten nach St. Petersburg in Russland fahren, von dort dann auf dem Landweg in Finnland einfallen, und dann sind es nur noch wenige Meter bis nach Norwegen. Also gar kein Problem, wenn man Zeit hat und einige wenige lächerliche tausende Straßenkilometer nicht scheut.

Wer es mit Gewalt noch schneller und kürzer haben will, kann dann eben auch per Fähre zum Beispiel von Hirtshals in Dänemark nach Larvik in Norwegen übersetzen, so, wie ich das getan habe. Bei Color Line rechtzeitig gebucht, hat uns diese Überfahrt 170,80€ gekostet. Den See, den man dabei überqueren muss, heißt Nordsee. Das Gebiet im See, das man dabei durchkreuzt, heißt Skagerak. Ich glaube, hier gibt es keine überspülten Straßen, denn dieser See ist seit einigen Millionen Jahren schon da, und niemand hatte die Möglichkeit, hier jemals ein Sträßle zu bauen.

Die Überfahrt nach Norwegen ist – egal mit welcher Route und mit welcher Gesellschaft – umso billiger, je früher man bucht. Für Kurzentschlossene kann es daher richtig teuer werden. Wenn ich mich recht entsinne, habe ich meine Mai-Überfahrt bereits im Januar gebucht, also fünf Monate vorher. Das sind durchaus realistische Vorlaufzeiten, wenn man günstige Preise haben will. Übrigens: Meine Reise nach Norwegen im Mai 2017 habe ich schon im September 2016 gebucht! Verrückt? Vielleicht. Hauptsache ich komme günstig wieder hin!

So, jetzt bleiben noch die Kosten für die Fähren, die die überspülten Straßen innerhalb Norwegens ersetzen. Hier habe ich insgesamt vier Stück genutzt, bei einem Gesamtpreis von 45,64€ und einem damit einhergehenden Durchschnittspreis von 11,41€.

Neben den Kosten für die Fähren ist zu sagen, dass diese von recht vielen verschiedenen Gesellschaften betrieben werden und es mir (wohl daher) nicht geglückt ist, ein einheitliches Portal mit einer Übersicht der An- und Abfartszeiten eben dieser unterschiedlichen Fähren zu finden. (Wenn es Google nicht findet, gibt es vermutlich auch Keines.) Das stellt aber absolut kein Problem dar, denn: (i.) Man ist im Urlaub und hat Zeit und (ii.) fährt einfach hin und wartet, bis eine Fähre kommt. Dauert’s länger, kann man zum Beispiel Essen, Trinken, aufs Klo gehen, Lesen, Schlafen, Kochen, die Gegend betrachten, Nichts tun oder sich mit dem Sepp und der Sau unterhalten. Es gilt – streng nach Nana Mouskouri„Ein Schiff wird kommen…“.

Insgesamt sind so also 216,44€ für alle Fähren in Summe angefallen.

Von der Maut

Mautautomat auf den Galdhøppigen

Mautautomat auf dem Galdhøppigen

Zur Abrechnung der Straßenmaut in Norwegen bietet es sich an, das Fahrzeug bei Autopass zu registrieren. Es kommt so für die Dauer des Aufenthaltes in Norwegen ein Vertrag zustande, bei dem das Fahrzeug automatisch an allen Mautstellen erfasst wird. Der Mautbetreiber bucht dann zunächst einen Pauschalbetrag (300 NOK) von der Kreditkarte ab, und von diesem Guthaben werden dann die jeweiligen Mautbeträge abgebucht. Ist das Guthaben aufgebraucht, wird ein erneuter Pauschalbetrag von der Karte auf das Mautkonto übertragen. Bei Vertragsende wird ein noch vorhandenes Restguthaben wieder zurück erstattet. Auf diese Art und Weise kam bei meinen in Norwegen zurückgelegten 2262km eine Mautgebühr von 52,73€ raus. Herunter gerechnet sind dies dann etwa 2,3 Cent / km.

Autopass rechnet aber natürlich nur die Haupttrassen ab. Private Promillewege müssen ggf. noch extra bezahlt werden. So geschehen bei mir, als ich zum Skifahren die Passstraße auf den Galdhøppigen befahren habe. Etwa auf halber Strecke verweigert ein Schlagbaum die Weiterfahrt. Selbiger Schlagbaum öffnet sich erst, wenn am Automat mit Kredikarte ein Betrag von 10,77€ (100 NOK) abgebucht wurde. Also auch das recht unkompliziert.

Durch Schweden bin auch auf der Rückreise einfach mal recht blauäugig gefahren. Hatte mich vorher nicht um die Mautabrechnung in Schweden gekümmert, da auch noch nicht sicher war, ob ich diesen Weg für die Rückreise überhaupt nehmen würde. Wie dem auch sei, hier greifen offensichtlich europaweite Abkommen, denn etwa einen Monat nachdem man in Schweden mauttechnisch erfasst wurde, gibt es Post von Epass24. Hier wird einem unter Nennung des eigenen Kennzeichens mitgeteilt, wo man welche Mautstellen passiert und welche Kosten man dabei verursacht hat. Bei mir waren das gigantische 95 Cent, die ich bei Göteborg verursacht habe.

Die Bezahlung kann bequem über ein deutsches Kreditinstitut oder per Kreditkarte erfolgen. Die Erläuterungen in der Rechnung und auf der Homepage von Epass24 sind sehr übersichtlich und einfach zu verstehen – also ganz sicher kein Hexenwerk.

Das war es jetzt aber noch nicht. Zwei Stellen sind noch zu passieren, fährt man auf dem Landweg über Schweden und Dänemark wieder zurück in die Heimat: die Öresundbrücke und die Brücke über den Großen Belt. Hier wird es dann wieder etwas teurer. Für den James auf der Öresundbrücke waren eben zu dieser Zeit (Ferien) 106,49€ fällig für die einfache Passage von Malmö nach Kopenhagen. Und wenn man den Großen Belt nicht durchschwimmen sondern überfahren will, sind nochmal weitere 49,08€ fällig. Bei beiden Brücken werde ich vor der nächsten Reise vorher recherchieren, da hier vermutlich günstigere Tarife möglich sind, wenn man online bucht.

Das war es jetzt aber mit Mautgebühren. Alles, was irgendwie mit Maut zu tun hat und auch hier im Text geschildert ist, hat sich auf 178,06€ summiert. So wird die Maut wohl nicht der größte Posten um Urlaubsbudget sein, zu vernachlässigen ist er aber auch nicht.

Vom Internet

Hier wollte ich unterwegs doch recht unabhängig sein und bin auf Prepaidzero gestoßen. Bei eben diesem Anbieter eine SIM-Karte nebst 1GB Datenvolumen besorgt für 35,99€ und mit dieser Karte meinen mobilen WLAN-Hotspot gefüttert. So war ich weitestgehend unabhängig und hatte in der Regel auch WLAN, wenn ich irgendwo auf einem Parkplatz gestrandet war. Organisatorisch und technisch hat alles gut funktioniert mit Prepaidzero, so dass ich diesen Anbieter prinzipiell empfehlen kann. Möglicherweise gibt es aber preiswertere; ich habe keine umfassende Recherche hierzu betrieben.

Allerdings muss man sich das eine GB schon gut einteilen. Texte für den Blog sollten tunlichst offline verfasst und dann nur noch hoch kopiert werden. Und wenn vorhanden, wird natürlich das Netz des jeweiligen Campingplatzes genutzt. So bin ich mit diesem einen GB gerade so bis bis zum Verlassen von Norwegen zurecht gekommen.

Ansonsten fielen nur noch 6,94€ für einen Campingplatz in Schweden an, so dass sich nun die Gesamtkosten für Internetzugang auf €42,48 belaufen.

Sonstiges

Ach, Sonstiges! Was wird das wohl sein? Viel wohl nicht.

Falsch! Nach den Kraftstoffkosten ist das der zweitgrößte Posten – zumindest war er das bei mir. Jeden einzelnen Betrag will ich hier nicht aufführen, das wäre zu müßig und zu langweilig, aber ich will kurz erwähnen, was bei mir unter Sonstiges abgerechnet wurde: Barabhebungen, Skipässe, Mitbringsel aus dem Polarkreiscenter, Museumsbesuche und sonstige Einkäufe. Was jedoch nicht einberechnet ist, sind Kosten für Essen und Trinken. Diese sind nirgends explizit erfasst, da selbige auch zu Hause anfallen und daher nicht als Urlaubskosten gesehen werden bei mir. Na und das alles hat sich nach Abzug der Steuerrückerstattung für die Mitbringsel nun auf 767,78€ summiert.

Übersicht

Wer hier gerade ließt hat sich entweder gelangweilt durch alle vorherigen Abschnitte gekämpft oder ist direkt zielstrebig zum Schluss dieses Artikels gesprungen, da hier die gekürzte gewürzte rechnerische Zusammenfassung der bisher aufgeführten Prosa zu lesen ist:

  • Camping: 294,20€
  • Kraftstoff: 849,20€
  • Fähren: 216,44€
  • Internet: 42,48€
  • Maut: 178,06€
  • Sonstiges: 767,78€
  • Summe: 2.348,17€

So, nun weiß jeder, was der Polarkreis tatsächlich gekostet hat für den James, den Sepp die Sau und mich.

Der James, der Sepp, die Sau und i.

Der James, der Sepp, die Sau und i.

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02.01.2017 - Posted by | James Cook, Norwegen, Polarkreis

3 Kommentare »

  1. Hallo Bernd, nachdem ich den Blog schon während deiner Norwegen-Reise gelesen habe und super gut und witzig fand, ergänzt dieses Werk deine informative, literarische Ader.
    Wenn ich auch wahrscheinlich nie nach Skandinavien reisen werde, ist es interessant zu erfahren, wie sich die einzelnen Kosten zusammensetzen.
    Also wieder ein sehr guter Bericht – dickes Lob!

    Deine Mutter

    Gefällt mir

    Kommentar von Elfriede Dietz | 06.01.2017 | Antwort

  2. Hi Ado,
    irgendwann mußt Du uns verraten was es mit dem Sepp und der Sau genau auf sich hat!
    VG, Dekadus

    Gefällt mir

    Kommentar von Thoas Gross | 04.04.2017 | Antwort


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